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Systemische Therapie

Über die Systemische Therapie existieren so viele Ansichten, wie es Schulen und Therapeuten dafür gibt. Das Folgende stellt somit unter anderem meine Lebenslernerfahrungen und die sich daraus gebildeten Ansichten dar.

Unser Leben befindet sich in einem ständigen Wandel. Der Mensch nimmt über seine Sinne dieses Leben individuell wahr. Das, was wir denken, fühlen und äußern sind starke Energien. Alles, was wir über die Sinne aufnehmen und im Gehirn verarbeiten, beeinflusst uns auf allen Ebenen, steuert unsere Handlungen und unsere ureigenste Wahrnehmung.

Jeder von uns erschafft sich jeden Tag seine eigene Realität neu. Somit ist also jeder einzelne Mensch auch in der Lage, seine Wahrnehmung bei Bedarf bewußt zu verändern. 

Zu diesen verschiedenen Themen gibt es viele interessante Hinweise, Experimente und Forschungsergebnisse in der Quantentheorie, der Quantenmechanik, der Hirnforschung und natürlich in der Philosophie. Ebenso zeigen die Verläufe vieler ganzheitlicher Therapierichtungen sowie eigene Erfahrungen die Machbarkeit solcher Annahmen.

 

Was ist überhaupt ein System?

Ein Beispiel für ein technisches System ist der Motor eines Autos. Größere Systeme in der Arbeitswelt des Menschen funktionieren als Organisationsformen in Firmen, Städten und Ländern. Die körperlichen Vorgänge im Menschen arbeiten in Organsystemen zusammen sowie im Nerven-, Blut- und Lymphsystem. Die Funktionen und das Zusammenspiel der einzelnen Elemente im Inneren jeder Körperzelle ist ein weiteres Beispiel. Ein System in der Naturheilkunde ist der Zusammenhang von Körper, Geist und Seele. 

Bei der Systemischen Therapie ist das Familiensystem am Entscheidesten. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Menschen, die als funktionales Ganzes interagieren, ähnlich einem Mobile. Wenn einer sich bewegt, bewegen alle anderen sich mit.

Der Mensch ist als Einzelwesen unvollkommen. Er ist vom Leben in der Gruppe abhängig, denn dort findet er Sicherheit, Geborgenheit und Verbundenheit. Der Mensch denkt, fühlt und handelt nie als autonomes Wesen, sondern immer als Mitglied einer Gruppe. Findet keine Zugehörigkeit statt, werden die menschlichen Grundbedürfnisse nicht gestillt.

Der Mensch lebt von der Kommunikation auf allen Ebenen, verbal mit der Stimme und deren Betonung sowie nonverbal mit Hilfe der Mimik, Gestik, Berührung,  über Augenkontakt und über die wahrgenommenen Gefühle. Deshalb stehen wir ständig mit irgendeinem System in Verbindung.

 

Die Familie

Die Familie ist das primäre, einflussreichste System, dem ein Mensch im Laufe seines Lebens angehört. Das körperliche, emotionale und soziale Wohlbefinden eines Familienmitgliedes steht in tiefer wechselseitiger Abhängigkeit von seiner Familienstruktur.

Beim Systemischen Arbeiten geht der Blick des Therapeuten in dieses ganze Familiengebilde mit der Grundannahme, dort eine Fülle von Informationen zu erhalten und sich in dieser Fülle zu bedienen. Jedoch immer mit dem Focus auf die Dynamik dieser lebenslang zweckgebundenen Einheit.

Probleme entstehen in einem Familienverbund und ähnlichen Systemen meistens durch gestörte Kommunikation sowie durch Glaubenssätze, die uns in unserer Entwicklung hinderlich sein können. Oft geht es um Hierachiengerangel, um Macht und Ohnmacht, Anerkennung, Zugehörigkeit, Liebe, Sexualität und der Vermischung der verschiedenen Ebenen der Familienstrukturen.

Bei Schwierigkeiten mit sich und anderen trifft jeder Mensch allein die Entscheidung, ob er weiter in dem Täter-Opfer-Schema handeln möchte, Schuldzuweisungen äußert und auch in Zukunft nach altbekannten Mustern verfährt. 

Es besteht jedoch ebenso die Möglichkeit an den Dramen des eigenen Lebens auf allen Ebenen zu wachsen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. 

 

Die Grundlagen Systemischer Arbeit

Gemeinsam mit dem Klienten wird das jeweilige System erkundet, um Hypothesen zu bilden. Außerdem sollen Strukturen und Funktionsweisen sichtbar, erfahrbar und so allen Beteiligen zugänglich gemacht werden.

Dazu werden zirkuläres Fragen, Skulpturarbeit, Aufstellungen, Familienrekonstruktion und weitere Methoden des entwicklungs- und lösungsorientierten Gespräches angewendet.

Oft ist es sinnvoll, das System zu verstören, um problematische Gewohnheiten und festgefahrene Verhaltensweisen zu lockern und andere Spielräume für neue, alternative Wirklichkeiten zu schaffen.

Dies kann über die Methoden des Refraiming (positives Umdeuten), Provokationen, paradoxe Interventionen, Problemverschreibung und auch mit Witz und Humor geschehen.

Ein weiterer therapeutischer Weg ist das Einstreuen und Anregen von neuen Ideen, überraschenden Möglichkeiten und Zukunftsvisionen. Dies erfolgt über Metaphern, Bilder, Geschichten, Trancereisen und hypothetische Fragen.

Jedem System wird die Chance gegeben, Verstörungen selbstständig zu verarbeiten sowie Anregungen freiwillig aufzunehmen und auszuprobieren. Dazu sind natürlich mehrere Sitzungen nötig und konkrete Arbeitsaufträge, die oft mit Kreativität und Leichtigkeit auszuführen sind. 

 

Die Aufgabe des Therapeuten

Als Therapeutin berate, begleite und unterstütze ich meine Klienten, ähnlich einem Lotsen auf einem Schiff oder einem Bergführer im unwegsamen Gelände. So begibt sich der Klient auf den Weg zur bewußten Eigenverantwortung und der Umgestaltung des eigenen Lebens. Für jeden ergeben sich Möglichkeiten zu lernen, bei Problemen so zu handeln, das weitere Wege offen stehen. Es gibt keine Fehler, wir machen nur Erfahrungen.

Manchmal ist es auch notwendig, die Krise zu verschlimmern, um so die darin gebundenen Kräfte deutlicher werden zu lassen. Jede Lebenssituation zeigt Herausforderungen, die uns auf allen Ebenen wachsen lässt und Möglichkeiten zur Transformation anbietet.

Wir suchen nicht nach der Schuld oder dem Schuldigen. Der Weg führt über das bewusste Beschäftigen mit verborgenen oder verheimlichten Strukturen sowie der Suche und dem Finden nach Anwendungen von machbaren Lösungswegen.

Über Fragen wie zum Beispiel: Was kann ich aus dem Lernen, was mir immer wieder passiert und mir Probleme bereitet? Wo sind meine Ressourcen? Wie lerne ich mein Verhalten zu ändern? Wie kann ich reagieren, damit es mir besser geht? Wie ändere ich das, was ich denke, fühle oder glaube und das mich an meiner Entwicklung hindert? Was sagen mir meine körperlichen Symptome und wie gehe ich damit um?

So werden neue Modelle erarbeitet, denn Modelle sind eine Ressource und geben Halt. Außerdem führen Modelle zu Werten, diese wiederum führen zu Glaubenssystemen. Die Glaubenssysteme führen zur individuellen Weltansicht und somit in Kontakt mit anderen. Wie der Fingerabdruck verfügt jeder Mensch über ein einzigartiges Weltbild und dies macht unter anderem die interessante Vielfalt der Arbeit in der Systemischen Therapie aus.  

 
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